Treppenaufgänge gestalten: Zwischen Statement und Alltagstauglichkeit
Wer nach Inspiration für Treppenaufgänge sucht, stößt schnell auf opulente Bilder: kräftige Farben, gemusterte Tapeten, kunstvolle Geländer, dramatische Beleuchtung. Diese Inszenierungen wirken fast wie aus Designmagazinen – mutig, extravagant, manchmal sogar ein bisschen theatralisch. Und doch sieht die Realität in unseren westeuropäischen Haushalten ganz anders aus.
Warum Treppenaufgänge oft vernachlässigt werden
Der Treppenaufgang ist ein Übergangsraum. Man geht hindurch, bleibt selten stehen. Genau deshalb wird er häufig funktional behandelt: weiße Wände, vielleicht ein paar Bilder, fertig.
Dabei steckt gerade hier enormes Gestaltungspotenzial.
Denn: Der Treppenaufgang verbindet nicht nur Etagen – er verbindet auch Stimmungen. Er ist der erste Eindruck beim Hochgehen, der letzte beim Herunterkommen.
Die Faszination der opulenten Styles
Die bunten, glamourösen Treppenaufgänge die man gerne in den USA und Großbritannien hat, haben ihren Reiz: Tiefe Blautöne, satte Grüntöne, florale Tapeten oder sogar goldene Akzente schaffen Räume mit Charakter. Sie erzählen Geschichten und wirken fast wie ein eigener kleiner Kosmos im Haus.
Das Spannende daran: Im Grunde ist hier alles erlaubt.
- Mut zur Farbe
- große Muster
- auffällige Kunst
- ungewöhnliche Beleuchtung
Warum also setzen so wenige Menschen diese Ideen um?
Oft liegt es nicht am Geschmack, sondern an Unsicherheit. Die Sorge, dass es „zu viel“ sein könnte. Dass man sich schnell daran satt sieht. Oder dass es nicht zum restlichen Zuhause passt.
Aber im Grunde ist eine auffällige Einrichtung viel weniger problematisch, als ein kunterbuntes Outfit. Das Zuhause sehen nicht so viele Menschen und im Grunde muss es ihnen nicht gefallen, denn sie wohnen ja nicht dort. Die Angst mit dem eigenen Geschmack anzuecken, ist völlig unbegründet.
Im Gegenteil, viele Menschen freuen sich darüber, wenn sich andere farbenfroh einrichten, weil sie sich das selbst nicht trauen und sie genießen es dann zu Besuch zu kommen und was anderes zu sehen als den Einheitslook. Diesen Effekt machen sich viele Hotels zu Nutze. Sie wollen ihren Gästen Besonderes bieten und suchen sich extravagante Stilrichtungen aus, auch um den Gästen als einzigartig im Gedächtnis zu bleiben. Sie riskieren damit sogar, dass der Stil Gästen nicht gefällt, doch das Alleinstellungsmerkmal ist ihnen wichtiger.
Vor allem zählt bei Hotels der sprichwörtliche Tapetenwechsel. Die Gäste wollen explizit etwas anderes sehen, als was sie zuhause haben. Daher ist es für Hotels wirklich eine kluge Entscheidung nicht denn Allerweltsstil mitzumachen, sondern stilistisch eigene Wege zu gehen und das gilt auch für Low Budget Hotels.
Die leise Alternative: Reduktion mit Wirkung

Weiße, Beige, Greige, Grau und etwas Schwarz sind die Grundfarben. Echtholz, Sisalteppiche, Geflochtene Körbe als Stauraum, Keramikvasen mit Trockenblumen. Keramiklampen und als Stilelement kleine Buchstapel.
Deshalb entscheiden sich viele für eine ruhigere Gestaltung – und das ist keineswegs langweilig.
Im Gegenteil: Gerade reduzierte Treppenaufgänge können eine besondere Qualität entwickeln.
Vor allem haben wir halt seit Jahren die Scandi-Chic-Welle sowie den Japandi-Chic. Das bedeutet viel Weiß, Beige, hier und da schwarze Akzente, freie Flächen, Naturtöne, Naturmaterialien. All dies beruhigt das Gemüt. In der medienüberfluteten Zeit, in der wir leben, brauchen eben genau das viele Menschen. Aber man sollte das nicht einfach nachmachen, sondern sich wirklich fragen: „Brauche ich persönlich nicht doch eher ein paar kräftige Farben, die mir Energie geben?“ Und das ist gar nicht so einfach, sich da ehrlich zu fragen, besonders, wenn alle Möbelkataloge und Einrichtungsmagazine den reduzierten Stil bewerben.
Wir wenden uns hier verschiedenen Stilrichtungen zu. Weiter unten wird es dann künstlerisch-bunt.
1. Bilder mit Struktur statt Zufall
Eine klare Linie aus wenigen, gut gewählten Bildern entlang der Treppe wirkt geordnet und hochwertig. Der Blick folgt der Bewegung – fast wie eine visuelle Begleitung beim Gehen.
2. Farbe als Hintergrund, nicht als Statement
Sanfte Töne wie Beige, Greige oder Salbeigrün geben der Treppe Tiefe, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Die Architektur wirkt sofort bewusster gestaltet.
3. Kombination aus beidem
Eine dezente Wandfarbe, ergänzt durch zwei oder drei größere Bilder und warmes Licht – oft ist genau das die Lösung, die am „fertigsten“ wirkt.
Was wirklich den Unterschied macht
Nicht die Menge an Dekoration entscheidet, sondern die Klarheit der Idee.
Ein Treppenaufgang wirkt dann stimmig, wenn er eine Richtung hat:
- entweder ruhig und minimalistisch
- oder bewusst mutig und expressiv
Dazwischen entsteht oft Beliebigkeit.
Ein Raum, der mehr Aufmerksamkeit verdient
Vielleicht liegt die eigentliche Chance genau hier: im Mut, den Treppenaufgang nicht nur als Durchgang zu sehen, sondern als eigenen kleinen Raum.
Einen Raum, in dem man sich – zumindest ein wenig – mehr trauen darf als im Wohnzimmer.
Denn selbst wenn man sich nicht für den ganz großen, glamourösen Auftritt entscheidet: Ein Hauch davon, eine Idee davon, kann schon reichen, um aus etwas Alltäglichem etwas Besonderes zu machen.
Und genau darin liegt der Reiz.
Nicht alles umzusetzen, was möglich ist –
sondern bewusst zu wählen, was zum eigenen Zuhause passt.
Treppenaufgang im adeligen Stil

Der Adel nutzte den Treppenaufgang als Statement: Kronleuchter oder elegante Leuchten. Teppich über den Stufen, satte Farben, Stuckverzierungen. Unten Spiegel mit goldenem Rahmen. Eine kleine Empfangshalle. Kostbare Bilder am Aufgang.
Prunk is back – glamouröse und farbenfrohe Treppenaufgänge
Farben spielen in den nostalgischen, schlossartigen Einrichtungen eine große Rolle. Der Adel richtete sich immer „Farbzimmer“ ein, also einzelne Zimmer komplett in einer Farbe und das hatte immer enorme Wirkung. Der Flur oder Treppenaufgang profitiert auch enorm davon.
Er wirkt farbig mehr wohnlich und einladend, als in schlichtem Weiß. Auch kann man dann auf viele Gestaltungselemente verzichten, weil ein farbiger Treppenaufgang direkt überrascht und eine bestimmte Stimmung hervorruft. Frage dich, was ein roter Treppenaufgang mit dir macht, ein dunkelblauer, ein himmelblauer, ein zartgrüner, ein pinkfarbener… Jede Farbe ruft bestimmte Gefühle in uns hervor und auf diesen Effekt verzichten wir meist bei der Einrichtung. Wahrscheinlich wollen wir bei unseren Besuchern eher neutrale Gefühle hervorrufen, aber wir verzichten dann auch auf die positive Wirkung auf unser eigenes Gemüt.
Wir selber schreiten die Treppe am meisten rauf und runter – warum also nicht in der ganz persönlichen Lieblingsfarbe streichen?
Wie du an diesen Beispielen siehst, ist Farbe keine schlechte Idee! Geschmackvoll wird es meist dann, wenn ca. 3 Farben vorherrschend sind. Die Kombination musst du gezielt aussuchen. Sie darf auch ungewöhnlich sein wie Türkis + Pink, Himbeerrot + Grün, Sattes Blau + Lila.
Eine alte Holztreppe lässt sich wunderbar in Farbverlauf streichen! Unter der Treppe ist oft noch Raum, den viele einfach frei lassen. Aber auch diesen kann man sinnvoll einrichten. Hier ist zum Beispiel Platz für geerbte Möbel, die nicht ins Wohnzimmer passen, aber für eine behagliche Atmosphäre sorgen.
Hingucker sind in allen Bereichen die opulenten Bildergalerien, große und kleine Bilder werden geschickt kombiniert und vor allem farblich harmonierend zusammen gestellt. Achte darauf, dass die Rahmen ähnlich sind, also alle in Schwarz, Gold, Naturholz, nicht zu viel Durcheinander. Spiegel in klein und groß sind immer eine super Ergänzung, sie öffnen optisch den Raum.
Zum prunkvollen Ambiente gehört oft ein Kronleuchter oder eine andere Hängelampe, die gerne aufwendig verziert und gearbeitet sein darf. Blumen und große Pflanzen sorgen für Wohnlichkeit, wenn zu wenig Tageslicht da ist, gehen auch künstliche oder Trockenblumen oder Trockengräser.
Eine Kommode darf meist nicht fehlen, sie sollte verschnörkelt und ein kleines Schmuckstück sein.
Darf’s noch etwas mehr Farbe sein? Farbige Treppenstufen
Auf die Idee, alte Holztreppen farbig zu streichen, kommt kaum jemand. Dabei hat dies einfach tolle Effekte. Wer einen schönen Farbverlauf für die Treppen heraussucht, wird die Treppe niemals langweilig finden oder eine Farbe satt haben. Treppen in Regenbogenfarben können in zarten Pastelltönen gewählt sein, oder kräftig.
Auch Ornamente, künstlerische Grafiken lassen sich verwenden: Eine solche Treppe hat nicht jeder und will garantiert nicht jeder haben – Aber: die meisten werden diese Treppe bewundern und den Anblick dann doch genießen. In jedem Fall macht sie jeden Tag gute Laune.
Also, was denkst du? Bunt, frech, unkonventionell oder elegant, edel, farbintensiv oder schlicht, dezent, zurückhaltend. Wichtig ist: Du kannst dich immer wieder anders entscheiden, es gibt verschiedene Lebensphasen, in denen man zum Beispiel Kunterbuntes, Farbintensives braucht und liebt, aber dann kann es durchaus sein, dass man die zarten, dezenten Farbtöne und pures Weiß und Beige für einige Jahre braucht.
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